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Alpträume

Angst und deren Bewältigung gehört zu einer von vielen unabdingbaren Bedingungen der menschlichen Entwicklung. In einer verarbeitbaren oder zu bewältigenden Dosierung ist Angst entwicklungsfördernd. Wird Angst jedoch als überwältigend erlebt, ist sie dauerhaft und zu stark vorhanden, kann sie die Entwicklung des Einzelnen auch hemmen. Psychoanalytische, analytisch orientierte und tiefenpsychologisch fundierte therapeutische und erkenntnistheoretische Ansätze setzen sich mit wichtigen Aspekten der menschlichen Entwicklung und die dabei entstehende Angst und deren Bewältigung auseinander. Dazu gehören auch Alpträume, auch Angstträume genannt, die eine Ausdrucksform nicht zu bewältigender Angst und der damit zusammenhängenden Konflikte darstellt. 

Das psychoanalytische Erklärungsmodell für Alpträume

Nach psychoanalytischer Auffassung wird das Seelenleben des Menschen von bewussten, vorbewussten und unbewussten Vorgängen beeinflusst und gesteuert, die auf Triebregungen beruhen, die immer auch mit Ängsten verbunden sind und somit Alpträume erzeugen können. Diese Triebregungen wurzeln in komplexen, aufeinander aufbauenden Entwicklungsschritten des Einzelnen, die bis in die Kindheit hinein reichen. Während der einzelnen Entwicklungsphasen muss der Mensch die jeweils im Vordergrund stehenden inneren Bedürfnisse und Triebwünsche mit den äußeren Ereignissen und Einflüssen abgleichen und sie an die äußeren Gegebenheiten der ihn umgebenden Realität anpassen. Bei diesen Prozessen spielt Angst und Angstbewältigung eine zentrale Rolle. Die dabei relevanten Mechanismen müssen erst erlernt werden und können, wenn sie nicht sicher verinnerlicht werden konnten, immer wieder zu neuen Ängsten führen, die wiederum Alpträume erzeugen können. Ängste stehen in engem Zusammenhang mit frühen, sehr komplexen Erfahrungen.  

Während die frühe Kindheit von primitiven inneren Regungen und Triebwünschen bestimmt ist, entwickelt sich im Verlauf des Lebens ein Ich-Bewusstsein und eine Ich-Identität, die dem Einzelnen hilft, die schwierige Aufgabe der Persönlichkeitsentwicklung zu meistern. Dieser Prozess ist von mehr oder weniger starken inneren Konflikten und unterschiedlichen Scham- und Bestrafungsängsten begleitet. Er mündet darin, dass jeder Mensch soziale Normvorstellungen entwickelt, anhand derer ihm ein einigermaßen erfülltes Leben unter Einhaltung allgemein anerkannter Regeln möglich wird. Es bilden sich sog. Über-Ich-Instanzen, mittels derer der Einzelne bei sich und anderen darauf achtet, dass gesellschaftliche Normen und Moralvorstellungen eingehalten werden. Dazu musste in der kindlichen und weiteren Entwicklung im Inneren ein Kompromiss zwischen den Triebregungen und der Realitäts- und Normanpassung gefunden werden, der im gesamten Leben des Menschen eine Art Bruchstelle zwischen den primitiven Triebwünschen, dem realitätsangepassten Ich und den Über-Ich-Forderungen des Gewissens und der allgemeingültigen Normen bildet. An diesen Bruchstellen finden sich verschiedene Ängste wieder, die Alpträume anregen können.  

Gemäß psychoanalytischen Konzepten gehen frühe Triebwünsche, sog. Es-Impulse, nicht verloren, sie bleiben in verdrängter Form im Unbewussten gespeichert und drängen weiterhin nach ihrer Erfüllung. Der Mensch bleibt aufgrund dessen gegenüber inneren sowie äußeren Einflüssen, die diese verdrängten Triebwünsche neu beleben können, störungs- und damit auch angstanfällig. Um sich vor derartigen Störungen und Ängsten, die das psychische Gleichgewicht und die psychische Gesundheit gefährden können, zu schützen, verfügt der Einzelne zugleich über komplexe psychische Eigenschaften, die er sich im Verlauf seiner Entwicklung angeeignet hat und die Abwehrmechanismen genannt werden. Diesen dienen unter anderem der Abwehr von Angst und können, wenn diese Abwehr versagt, auch zu Alpträumen führen. 

Während des Schlafens sind die kontrollierenden und zensierenden Funktionen des Ichs und des Über-Ichs und die Abwehrmechanismen herabgesetzt und es können Triebimpulse ins Bewusstsein durchdringen, die einst unter großem und von starken Ängsten oder Schamgefühlen begleitetem psychischen Aufwand verdrängt werden mussten. Während des Traumes ist aber auch eine Zensur am Werk, die sich dem auf Erfüllung drängenden Wunsch entgegenstellt und ethische, ästhetische und soziale Forderungen vertritt und den Traum auch inhaltlich mitgestaltet. Diese Zensur entstammt dem Überich, das sich streng und verbietend darstellt. Der Traum gilt als Beschützer des Schlafes, indem er den Schlaf gegen störende Motive (v.a. infantile Triebwünsche, aktiv gebliebene Gedanken vom Tage (Tagesreste), aber auch Überich-Forderungen) schützt. Der Schlaf wiederum ist wichtig für die innerpsychische Verarbeitung von äußeren Einflüssen und deren subjektive Bedeutung für das seelische Gleichgewicht eines jeden Menschen. Deshalb sind Träume und auch Alpträume sehr individuell und deren Inhalte von der subjektiven Relevanz äußerer Einflüsse und innerer Prozesse abhängig.  

Der gewöhnliche Traum schützt, entgegen der Alpträume, vor übermäßiger Angstentwicklung. Daher treten Angst- bzw. Alpträume seltener auf als andere Träume. Dies geschieht dadurch, dass der Traum, im Gegensatz zu Alpträumen, ängstigende Inhalte derart umwandelt, dass Triebwünsche scheinbar befriedigt werden können, ohne das Gewissen allzu sehr zu belasten. Insofern trägt der Traum, nebst der Angstvermeidung, und damit auch der Vermeidung von Angstträumen, auch zur Verarbeitung von inneren Konflikten bei, die dem Träumer nicht bewusst sind und die sich aus Eindrücken des vergangenen Tages (den Tagesresten) und frühen Triebregungen zusammensetzen. Träume gelten als vorbewusst regulierte und unbewusst motivierte Prozesse, in die auch Ängste einfließen und zu Alpträumen führen können.

Dabei kommt der Verschlüsselung der Trauminhalte eine besondere Rolle zu. Der Traum übernimmt sozusagen nicht nur die Darstellung des unbewussten Konfliktes, sondern auch dessen Entstellung, um den Träumer vor der direkten Konfrontation mit den damit verbundenen Trieb- und Gewissensängsten zu schützen. Hierbei nehmen die Alpträume eine Sonderstellung innerhalb verschiedener Traumtypen ein. Gemäß psychoanalytischen Ansätzen haben Alpträume häufig einen Inhalt, der einer Entstellung völlig entbehrt. Alpträume stellen oft die unverhüllte Wunscherfüllung eines verworfenen, also eines vom Ich-Bewusstsein nicht tolerierbaren Wunsches dar, der die Schranke der Zensur des Überichs ungehindert passieren konnte und direkt die damit verbundene Angst aktiviert und damit Alpträume auslösen kann. Auf diese Weise tritt an Stelle der Zensur die Angst, die sich in Alpträumen äußert. Die Angst ist dabei das Anzeichen dafür, dass der verdrängte Wunsch sich stärker gezeigt hat als die Zensur und er seine Wunscherfüllung gegen die Zensur durchgesetzt hat oder durchzusetzen im Begriff war. Die im Traum auftretende Angst, die bei Alpträumen empfunden wird, ist demnach eine Angst vor der Stärke dieser sonst nieder gehaltenen Wünsche, die in der zensierenden Instanz unter Umständen des Wachbewußtseins peinliche Empfindungen und Abwehr auslösen. Alpträume sind gewöhnlich auch ein Weckträume. Bei Alpträumen wird der Schlaf unterbrochen, ehe der verdrängte Wunsch des Traumes seine volle Erfüllung gegen die Zensur durchgesetzt hat. In diesem Falle ist die Aufgabe des Traumes missglückt und es entstehen Alpträume. Bei Alpträumen erweisen sich die Traumzensur, gemäß Freud, aber auch als unterschiedlich streng. Hat sich die Traumzensur gegenüber einem Traumelement als zu schwach erwiesen, „bedient sie sich anstatt der Entstellung des letzten Mittels, das ihr bleibt, den Schlafzustand unter Angstentwicklung aufzugeben“, was zu Alpträumen führen kann. 

Eine Ausnahme bilden die schweren posttraumatischen Alpträume, wenn sie unverhüllt das Trauma wiederholen. Diese Alpträume entsprechen eher einem Wiederholungszwang und stellen einen Kurzschluss dar, der die Leistungen der Traumarbeit überspringt.  

Wann sollte man eine Therapie machen?

Alpträume zu haben ist an sich nichts Außergewöhnliches. Jeder Mensch hat in seinem Leben schon mal Alpträume gehabt. Das gehäufte Vorkommen von Alpträumen und das Ausmaß der dabei entstehenden Angst ist jedoch ein Indikator für eine deutliche Störung des psychischen Gleichgewichtes und einem anhaltenden Versagen der Schutz- und Abwehrmechanismen. Oft stehen bei anhaltenden Angstträumen bzw. Alpträumen aktuelle Konflikte und Probleme im Hintergrund, die nicht mehr angemessen verarbeitet werden können. Bei genauerem Hinterfragen entfaltet sich häufig ein komplexes Bild von verschiedenen innerpsychischen Konfliktfeldern, die bis in die Kindheit reichen können.

Hier ist es ratsam, therapeutische Hilfe aufzusuchen. Oft reichen zur Verarbeitung aktueller Schwierigkeiten, die den Alpträumen zugrunde liegen, ambulante Maßnahmen nicht aus und es ist eine stationäre Maßnahme angeraten. Eine stationäre Maßnahme bietet die Möglichkeit, sich eine Zeit lang aus schwierigen Bedingungen des aktuellen Lebensumfeldes zurückzuziehen und sich bewusster mit den aktuellen Lebens- und Umfeldbedingungen, sowie mit den Hintergründen und tieferen Gründen von Angstträumen näher zu befassen, sich über aktuelle  Probleme und innere Konflikte, die Alpträume auslösen, klarer zu werden und sich um neue Möglichkeiten des Umganges sich und mit anderen zu bemühen, sowie sich der Zusammenhänge klarer zu werden, die den Alpträumen zugrunde liegen.  

Die Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten verfügt über ein vielfältiges Angebot an Therapiemöglichkeiten, die auf verschiedene Weise dazu beitragen können, Ängste zu bewältigen und damit verbundene Alpträume besser zu verstehen. Es werden verschiedene Aspekte des sozialen Umfeldes, der persönlichen Leidens- und Lebensgeschichte beleuchtet und mit Hilfe integrativer therapeutischer Maßnahme versucht, neue Sichtweisen und Lösungswege und vielleicht auch eine neue innere und äußere Orientierungen zu finden. Es können auch neue Anstöße für eine ambulante Weiterbehandlung gegeben werden. Das therapeutische Angebot zur Bewältigung der Alpträume setzt sich zusammen aus einzeltherapeutischen Sitzungen, tiefenpsychologisch fundierten, analytisch orientierten Gesprächsgruppen und verhaltenstherapeutischen Gruppen, kreativtherapeutischen Gruppen wie Bewegungs-, Gestaltungs- und Musiktherapie, physiotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen, balneophysikalischen Maßnahmen und Entspannungsverfahren. Begleitend werden sportliche und Freizeit-Aktivitäten sowie informative Vorträge zu verschiedenen Themen angeboten. 

Madlen Katsouli
Dipl.-Psychologin

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juli 2010

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